Landesregierung, Bauernverband Schleswig-Holstein und Bundesagentur für Arbeit starten Kampagne „Erntehilfe SH"

 

 

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Landwirtschaft:

Landesregierung, Bauernverband Schleswig-Holstein und Bundesagentur für Arbeit starten Kampagne „Erntehilfe SH“

 

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht: „Jede helfende Hand auf dem Feld zählt“

 

 

KIEL. Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Aufgrund der stark eingeschränkten Reisebestimmungen fehlen in Schleswig-Holstein in den kommenden Wochen tausende Erntehelfer. Die Landesregierung ruft deshalb im Verbund mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein und der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit unter dem Motto „Erntehilfe SH“ dazu auf, Landwirtinnen und Landwirte bei der Erntearbeit zu unterstützen. Der Appell richtet sich vor allem an Fachkräfte aus dem Einzelhandel und der Gastronomie, die derzeit nicht arbeiten können, an Beschäftigte in vorübergehender Kurzarbeit sowie an Studierende. Ein entsprechendes Eckpunktepapier zur Unterstützung der Landwirtschaft wurde heute vom Kabinett beschlossen. Wer die Landwirtschaft als Erntehelfer und Erntehelferin unterstützen möchte, kann sich an die zuständige Arbeitsagentur wenden.

„Die Landwirtschaft steht in der Corona-Krise vor neuen und großen Herausforderungen“, sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht: „Wir müssen gemeinsam sicherstellen, dass die Betriebsabläufe funktionieren und die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln gewährleistet ist. Dafür brauchen wir eine breite Unterstützung von Menschen, die sonst nicht in der Landwirtschaft tätig sind. Jede helfende Hand auf dem Feld zählt.“ Albrecht begrüßte das heute vom Bund beschlossene Hilfspaket für die Land- und Ernährungswirtschaft, das unter anderem die Ausweitung der 70-Tage-Regelung und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeitregelungen vorsieht.  

Bauernpräsident Werner Schwarz: „Auf vielen Betrieben stehen nun Pflanz-, Pflege- und bald auch erste Erntearbeiten an. Wir möchten die Bevölkerung weiter mit hochwertigen und gesunden Nahrungsmitteln wie Spargel, Kohl oder Erdbeeren versorgen und verhindern, dass Erntegut auf dem Feld bleibt und verdirbt oder Gemüse gar nicht erst gepflanzt werden kann. Dazu benötigen unsere landwirtschaftlichen Familien jetzt dringend Unterstützung“. 

 

Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, be­tonte: „Es gilt nun, die lokal bereits bestehende gute Zusammenarbeit zwischen landwirt­schaft­lichen Betrieben und den Arbeitgeberservice-Teams ‚vor Ort‘ intensiv für die Rekru­tie­rung heimischer Saisonarbeitskräfte zu nutzen. So können wir die Betriebe über regional vereinbarte Aktivitäten unterstützen, etwa durch die enge Abstimmung von Anforderungsprofilen, die gezielte Ansprache von geeigneten Personengruppen über 
Telefon- und Anschreibaktionen und daran anschließende Vorstellungstermine ‚vor Ort‘.“ 

 

Für Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz schafft „die Initiative eine win-win Situation für alle Beteiligten. Die landwirtschaftlichen Betriebe erhalten die dringend benötigten Arbeitskräfte und Menschen, die in der aktuellen Krise von Arbeitslosigkeit betroffen sind, erhalten die Möglichkeit, zumindest vorübergehend Einkommen zu erzielen.“ 

Bildungsministerin Karin Prien: „Unsere Landwirtschaft braucht gerade in dieser Situation Unterstützung. Für Studierende bietet die Arbeit als Erntehelfer die Chance, etwas Geld hinzuzuverdienen und gleichzeitig Solidarität mit der Landwirtschaft zu zeigen.“

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht von bundesweit ca. 280.000 Saisonarbeitskräften im Agrarbereich aus. Viele dieser Saisonarbeitskräfte kommen für diese Zeit aus dem Ausland – meist aus EU-Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Polen – nach Deutschland und Schleswig-Holstein. Der Hauptbedarf an Saisonarbeitskräften setzt beim Spargel ab dem 1. April ein. Zurzeit sind für die Vorarbeiten ca. 200 ausländische Saisonarbeitskräfte im Land. Eine Schätzung des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes ergibt für diesen Sektor einen weiteren Bedarf von 1.200 Arbeitskräften. Im Bereich Erdbeeren wird in einem Zeitraum von Anfang April bis Juli mit Schwerpunkt Mitte Mai mit einem Bedarf von 4.000 Saisonarbeitskräften gerechnet. Unter der Annahme, dass 50 Prozent des Bedarfes noch durch ausländische Arbeitskräfte gedeckt werden können, werden bei der Spargel-Ernte voraussichtlich 600 Arbeitskräfte und bei der Erdbeer-Ernte 2.000 Arbeitskräfte benötigt.