Auch in den Ferien zur Schule


Bildungsministerin legt Konzept für Lernangebote vor – Die Teilnahme ist kostenlos und freiwillig

Von Christian Hiersemenzel

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So könnte die Sommerschule aussehen: Nicht nur Kernfächer wie Mathematik und Englisch stehen auf dem Programm, sondern auch Musikunterricht und Exkursionen.

Kiel. In Schleswig-Holstein sollen Schüler auch während der Ende Juni beginnenden Sommerferien die Gelegenheit zum Lernen bekommen. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat dem Bildungsausschuss des Landtags gestern ein Konzept mit dem Titel „Lernsommer.SH“ vorgelegt. Das Angebot ist für die Schüler kostenlos und freiwillig, nach einer Anmeldung aber verbindlich.

„Trotz des großen Einsatzes der Schulleitungen, der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Eltern ist aufgrund der unterschiedlichen häuslichen Lern- und Arbeitsbedingungen davon auszugehen, dass in diesen Wochen nicht alle Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen in dem Maße erweitert und vertieft haben, wie dies im kontinuierlichen Präsenzunterricht möglich gewesen wäre“, schrieb Prien mit Blick auf den Corona-Lockdown an den Chef des Bildungsausschusses, Peer Knöfler (CDU). Um jungen Leuten den Start ins neue Schuljahr zu erleichtern, sei auch durch Anregungen von Schulen ein Konzept entstanden. „Die Einhaltung der notwendigen hygienischen Bedingungen kann sichergestellt werden“, betonte die Ministerin.

Ziel sei es unter anderem, die Kernkompetenzen in Deutsch, Mathematik und Englisch zu fördern und etwaig entstandene Lernlücken zu schließen. Auch gehe es darum, die kulturelle Bildung und die Persönlichkeitsentwicklung junger Leute zu stärken. Nach Angaben des Ministeriums könnten Angebote aus den Naturwissenschaften, dem Sport und der Demokratiebildung die Lernangebote ergänzen.

Zielgruppe sind demnach vor allem Schüler der Jahrgänge eins bis zehn sowie Schüler der berufsbildenden Schulen in der Ausbildungsvorbereitung (AVSH) sowie der Berufsintegrationsklassen „Deutsch als Zweitsprache“. Grundsätzlich werde das Angebot für alle Schüler geöffnet, heißt es. Speziell angesprochen werden sollten aber Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Schüler aus Familien, die besonderer Unterstützung bedürften. „Ihre Nominierung erfolgt durch Lehrkräfte über die Schulleitungen“, heißt es im Papier.

Die Angebote sollen in Abstimmung mit den Schulträgern in den jeweiligen Schulgebäuden oder im Freien stattfinden, gegebenenfalls auch an außerschulischen Lernorten wie zum Beispiel Musikschulen oder Volkshochschulen, in Gedenkstätten und Museen oder auch in der Schutzstation Wattenmeer oder in Wildparks. Man räume den Schulen zur Dauer und zum Umfang der Lernangebote größtmögliche Flexibilität ein. Denkbar sei es, das Angebot montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 13 Uhr stattfinden zu lassen, aufgeteilt in zwei Abschnitten von jeweils zwei Wochen. Um die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten, solle die Gruppengröße zwölf Schüler nicht überschreiten.

Und das Personal? „Lehrkräfte erklären sich freiwillig zur Teilnahme bereit, sie werden nicht zum Dienst verpflichtet“, heißt es in Priens Konzept. Ebenfalls auf freiwilliger Basis sollen Schulsozialarbeiter und Ganztagskräfte einbezogen werden. Möglich sei der Einsatz externer Kräfte, wie zum Beispiel von Hochschulstudenten, Künstlern, Musikern, Schauspielern, Volkshochschuldozenten oder anderen professionellen Lernanbietern. Die Landes-Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände habe ihre Bereitschaft zur Hilfe signalisiert, um Lernangebote für Deutsch als Zweitsprache zu realisieren.

Derzeit prüfe das Ministerium, wie der freiwillige Einsatz der Lehrkräfte vergütet werden kann. Teilnehmenden Schulen sollen bis zu 5000 Euro zur Verfügung gestellt werden, um die Angebote umzusetzen. Zudem sei eine Beteiligung von jeweils bis zu 1000 Euro pro Schulträger zu erwarten. Das Geld soll die Kosten für Räume, Hausmeisterdienste und Hygienemaßnahmen decken. Das Ministerium selbst hat eine Teilhabe am Projekt „Kultur macht stark“ in Aussicht gestellt. Die Wübben-Stiftung wolle die Koordination der Sommer-Lernangebote mit bis zu 40 000 Euro unterstützen.